Dfkm. Leo Bergmann

  • Geb. am 17.09.1914
  • Geburtsort: Kuty (Кути), Polen
  • Kategorie: Doktorratsstudiengang
  • Heimatberechtigung: Kolomea (Коломия), Polen
  • Staatsbürgerschaft: Polen

Leo war Sohn von Isak Mendel Bergmann (Kaufmann).

Er war zwischen Wintersemester 1933/34 und Sommersemester 1937 acht Semester an der Hochschule für Welthandel inskribiert. Hier hat er 1936 sein Diplomstudium erfolgreich abgeschlossen.

Bergmann gehört auch zu den wenigen jüdischen Studierenden, denen vom NS-Regime gestattet wurde, nach dem 'Anschluss' Österreichs ihr Doktoratsstudium abzuschließen. Mit dem Sommersemester war hierfür nur ein kurzes Zeitfenster zugestanden. So gehörte Bergmann zu den sieben jüdischen DoktorandInnen, die am 12. Juli 1938 ihr letztes Rigorosum an der 'Welthandel' ablegen durften. Gut eine Woche vorher hatte Bergmann 50 gedruckte Exemplare seiner Dissertation über das Thema Wechsel als Finanzierungsinstrument. Eine betriebswirtschaftliche Untersuchung eingereicht.

Entsprechend einer Anordnung des österreichischen Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten, das damals unter der Aufsicht von Reichsstatthalter Arthur Seyss-Inquart stand, unterlag die Promotion von jüdischen Doktorandinnen und Doktoranden einer Reihe von Einschränkungen, die diesem akademischen Ereignis jede Würde nehmen sollten:

  • die Promotion hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattzufinden;

  • die Kandidatinnen und Kandidaten durften Verwandten oder Bekannten keine Einladungen zur Promotion zukommen lassen;

  • die akademischen Funktionsträger wie Rektor und Promotor waren gehalten, nicht im Talar aufzutreten;

  • und anstelle der üblichen mündlichen Sponsion hatten die jüdischen DoktorandInnen das Gelöbnis schriftlich abzulegen, indem sie ein vorgedrucktes Formular unterzeichneten.

  • Ansprachen waren nicht zugelassen.

Bereits vier Tage nach der Promotion begab sich Bergmann nach Kolomea. Die Wohnung in der Nußdorfer Straße 77/1/7 (9. Wiener Gemeindebezirk), in der er seit Oktober 1935 gemeldet war, verließ er am 16. Juli 1938. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

 

Autor: Johannes Koll

Quellenhinweise

Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Karteikarte.
Wirtschaftsuniversität Wien, Katalog der Hauptbibliothek.
Meldeauskunft des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW-139610/2013.
Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, Bundesministerium für Handel und Verkehr, Fasz. 577, Zl. 129630-14a/38.

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