DDr. Arthur Luka

  • Geb. am 16.05.1882
  • Geburtsort: Lemberg (Lwow), Österreich
  • Kategorie: Doktorratsstudiengang
  • Heimatberechtigung: Wien (Wien), Österreich
  • Staatsbürgerschaft: Österreich

Als Arthur Luka sich zum Wintersemester 1936/37 an der Hochschule für Welthandel für ein Doktoratsstudium einschrieb, hatte er bereits drei Doktortitel erworben: An der Universität Wien hatte er an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen sowie an der Philosophischen Fakultät promoviert, an der Philipps-Universität Marburg (Deutschland) war er zum Doktor der Medizin promoviert worden. Auch die Hochschule für Welthandel hatte Luka bereits frequentiert gehabt: Im Anschluss an den Besuch der Wiener Handelsakademie VIII (Hamerlingplatz 5-6) und nach Absolvierung eines Abiturkurses hatte er 1916/17 am Lehrerseminar und im darauffolgenden Studienjahr am Sonderkurs für Bücher- und Bilanzrevisoren der Kaiserlich-königlichen Exportakademie, der Vorgängerin der Hochschule für Welthandel, teilgenommen. Außerdem war er im Wintersemester 1918/19 als ordentlicher Student an der ‚Welthandel‘ eingeschrieben gewesen; dieses Studium scheint er aber nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie nicht fortgesetzt zu haben.

Womit sich Arthur Luka danach den Lebensunterhalt verdiente, lässt sich nicht eruieren. Greifbar wird seine Biographie wieder, als er sich zum Wintersemester 1936/37 mit dem Ziel an der Hochschule für Welthandel einschrieb, den Doktorgrad für Handelswissenschaften zu erwerben. Zugleich wurde er 1937 zur Prüfung für Bücherrevisoren zugelassen (die er demnach während des letzten Jahres von Erstem Weltkrieg und Habsburgerreich nicht abgelegt hatte). Am 20. Januar 1938, also kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich, reichte der jüdische Doktorand an der 'Welthandel' seine Dissertation über Bosnien und die Hercegovina. Eine wirtschaftsgeographische Darstellung und Untersuchung im Querschnitt der Jahre 1910 und 1935 ein. Obwohl die beiden Gutachter, der Wirtschaftsgeograph Hermann Leiter sowie Rektor Bruno Dietrich, die Annahme der Arbeit empfahlen, wurde Luka nach dem 'Anschluss' Österreichs aus rassistischen Gründen die Zulassung zu den Rigorosen verwehrt. In den Akten der Hochschule hieß es hierzu lakonisch: "Da mosaisch zu den Rigorosen nicht zugelassen".

Wie und unter welchen Umständen Luka in den folgenden drei Jahren überlebt hat, entzieht sich der Kenntnis. Fest steht, dass er in der antisemitisch aufgeheizten Stadt Wien vom 28. März 1938 bis zum 21. April 1941 in der Radetzkystraße 23/5 (3. Gemeindebezirk) gemeldet war. Anschließend lebte er in der Adolf-Kirchl-Gasse 9/11 (10. Wiener Gemeindebezirk) - bis er am 17. November 1941 aufgegriffen und elf Tage später zusammen mit etwa 1.000 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern vom Wiener Aspangbahnhof aus ins Ghetto Minsk im sogenannten Reichskommissariat Ostland deportiert wurde. Hier kamen tausende von Menschen durch Massenerschießungen, Zwangsarbeit, Krankheiten und Hunger ums Leben.

Auch Arthur Luka wurde ein Opfer des Holocaust. Wann genau er gestorben ist, ist nicht überliefert. Es ist aber bekannt, dass er nicht zu den drei Österreichern gehörte, die nachweislich den Zwangsaufenthalt im Ghetto Minsk überlebt haben.

Am 22. März 1949 wurde Arthur Luka vom Landgericht Wien für tot erklärt.

Zur Erinnerung an sein Schicksal wurde am 6. Juni 2016 ein Schild mit Lukas Namen in Blagowschtschina aufgehängt - also jenem Wäldchen, in dem die Deportierten nahe Maly Trostinec erschossen wurden. Einen Tag später wurde sein Name bei einer Trauerfeier verlesen, die im Rahmen der 8. Gedenkreise des Vereins "Initiative Malvine - Maly Trostinec erinnern" (IM-MER) am Platz des ehemaligen Minsker Ghettos stattgefunden hat.

 

Autor: Johannes Koll

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Bilder

  • Wald von Blagowschtschina 2016 (mit freundlicher Genehmigung von Waltraud Barton)
  • Gedenkreise nach Maly Trostinec 2016 (mit freundlicher Genehmigung von Waltraud Barton)

Quellenhinweise

Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Studierendenkarteikarte und Ordner "Allgemeine Akten 1938", Zl. 47/38.
Studiennachrichten der K.k. Exportakademie über das 19. Studienjahr 1916/17, Wien 1917, S. 49.
Studiennachrichten der K.k. Exportakademie über das 20. Studienjahr 1917/18, Wien 1918, S. 49.
Meldeauskunft des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW-119202/2013.
Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, http://www.doew.at [30. August 2013].
The Central Database of Shoah Victims' Names, http://db.yadvashem.org/names/search.html?language=en [30. August 2013].
Waltraud Barton (Hrsg.): Maly Trostinec – Das Totenbuch. Den Toten ihre Namen geben. Die Deportationslisten Wien – Minsk/Maly Trostinec 1941/1942, 2. Aufl. Wien 2015, S. 225.
E-Mail von Waltraud Barton, MA (IM-MER) an PD Dr. Johannes Koll (WU Wien) vom 13. Juni 2016.
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Deportation und Vernichtung – Maly Trostinec (= Jahrbuch 2019), Wien 2019.

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