Dfkm. Wilhelm (Willy) Nagelberg

  • Geb. am 10.12.1914
  • Geburtsort: Wien
  • Kategorie: Doktorratsstudiengang
  • Heimatberechtigung: Wien (Wien), Österreich
  • Staatsbürgerschaft: Österreich

Wilhelm war Sohn von Helene und Fritz Nagelberg. An der Hochschule für Welthandel war er zwischen Wintersemester 1932/33 und Wintersemester 1936/37 inskribiert. Hier absolvierte er zunächst erfolgreich das Diplomstudium, die Diplomurkunde wurde im Januar 1936 ausgefertigt.

Seine Promotion fiel in den Zeitraum des 'Anschlusses' Österreichs: Das Erste Rigorosum legte er bereits im Juli 1937 ab, das Zweite Rigorosum hingegen erst im Juli 1938. Dabei gehörte Nagelberg zu den wenigen jüdischen Doktoranden, denen vom NS-Regime gestattet wurde, nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich ihre Promotion abzuschließen; dies hatte im Laufe des Sommersemesters 1938 zu geschehen. So war Nagelberg einer der sieben jüdischen DoktorandInnen, die am 12. Juli 1938 an der 'Welthandel' promoviert wurden. Entsprechend einer Anordnung des österreichischen Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten, das damals unter der Aufsicht von Reichsstatthalter Arthur Seyss-Inquart stand, unterlag die Promotion von jüdischen Doktorandinnen und Doktoranden einer Reihe von Einschränkungen, die diesem akademischen Ereignis jede Würde nehmen sollten:

  • die Promotion hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattzufinden;
  • die Kandidatinnen und Kandidaten durften Verwandten oder Bekannten keine Einladungen zur Promotion zukommen lassen;
  • die akademischen Funktionsträger wie Rektor und Promotor waren gehalten, nicht im Talar aufzutreten;
  • und anstelle der üblichen mündlichen Sponsion hatten die jüdischen DoktorandInnen das Gelöbnis schriftlich abzulegen, indem sie ein vorgedrucktes Formular unterzeichneten.
  • Ansprachen waren nicht zugelassen.

Einen Teil der Dissertation veröffentlichte Nagelberg 1938 im Eigenverlag unter dem Titel Über Veränderungen in der Baumwollwirtschaft der Erde seit 1900. Bald nach der Promotion verließ Nagelberg Österreich.

Am 12. September 1938 gab er seine Wohnung am Czerninplatz 2/2/2/33 (2. Wiener Gemeindebezirk) auf, in der er seit Oktober 1933 gemeldet gewesen war. Er begab sich zunächst nach Mailand. Im März 1940 emigrierte er in die USA. Hier amerikanisierte er seinen Namen in William Nagel und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In den fünfziger Jahren arbeitete Nagelberg in der Europa-Abteilung des Office of Economic Affairs. Mit seiner Frau Gertrude und seinen Kindern wohnte in Washington D.C.

Sein Antrag beim "Fonds zur Hilfeleistung an politisch Verfolgte, die ihren Wohnsitz und ständigen Aufenthalt im Ausland haben (Hilfsfonds)" wurde zwar im November 1956 positiv beschieden. Doch bis Oktober 1962 hat er von der Republik Österreich keine Zahlungen erhalten. Seine Beschwerde verhallte offenbar ungehört.

Nagelbergs letzter Wohnort war Silver Spring (Maryland). Er starb am 19. September 2001.

 

Autor: Johannes Koll

Quellenhinweise

Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Studierendenkarteikarte.
Wirtschaftsuniversität Wien, Katalog der Hauptbibliothek.
Meldeauskunft des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW-140563/2013.
Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, Finanzen, HF, Zl. 1263.
Ancient Faces, http://www.ancientfaces.com/person/william-nagel/13455968 [23. September 2013].

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