Paskita (Paskalina) Konfino (später Guttmann)

  • Geb. am: 24.10.1917
  • Geburtsort: Sofia
  • Kategorie: Diplomstudiengang
  • Heimatberechtigung: Korfu (Korfu),
  • Staatsbürgerschaft: Griechisch

Biografie bis zur Zeit des „Anschlusses“ Österreichs

Paskita (auch: Pasquita) Konfino (auch: Confino) war eine Tochter des Kaufmanns Isak (auch: Isaac E.) Konfino und von dessen Ehefrau Natalia (geb. 1887 in Belgrad als Tochter des Avram und der Bukas Paskva Mošič). Mit Klara (geb. 11. August 1911 in Sofia) hatte sie eine Schwester, die später, wohl nach einer Eheschließung, den Nachnamen Josifov trug.

Nachdem Paskita Konfino ein Gymnasium in ihrer Geburtsstadt Sofia besucht hatte, war sie Im Wintersemester 1937/38 an der Hochschule für Welthandel für den Diplomstudiengang inskribiert. Im folgenden Semester wechselte sie an die Universität Wien, wo sie ebenfalls nur ein Semester inskribiert war. Obwohl sie bereits am 22. März 1938 ihre Wohnung in der Pyrkergasse 21/1 (19. Wiener Gemeindebezirk) aufgab, hat die jüdische Studentin im Laufe des Sommersemesters 1938 noch Lehrveranstaltungen an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien belegt. Spätestens nach diesem Semester jedoch ist Konfino in ihr Heimatland Bulgarien zurückgekehrt. In dessen Hauptstadt Sofia hat sie am 23. Oktober 1938 Max Guttmann (geb. 1 Mai 1901 in Kairo) geheiratet, mit dem sie die Tochter Evelyn hatte.

 

Emigration in die USA 

Mit ihrem Mann, der ebenfalls jüdischen Glaubens war, und der gemeinsamen Tochter gelang es Paskita, in die USA zu emigrieren. Zu einem unbekannten Zeitpunkt begab sich die junge Familie zunächst von Sofia nach Plovdiv, wo Evelyn am 11. April 1940 zur Welt kam. Vermutlich von hier oder von Sofia aus, wo die drei jüdischen Emigranten am 23. November 1940 ihre Visa erhalten hatten, ist Familie Guttmann in Maxʼ Geburtsland Ägypten gereist, denn sowohl Paskita als auch Max und Evelyn hatten die ägyptische Staatsbürgerschaft, als sie schlussendlich in den Vereinigten Staaten von Amerika ankamen. Belegt ist jedenfalls, dass die junge Familie von der indischen Hafenstadt Bombay (heute Mumbai) aus am 14. Januar 1941 auf der S.S. President Harrison in See stach und am 22. Februar 1941 mit 120 Dollar in der Tasche in New York ankam. Sowohl Max als auch Paskita beantragten am 25. Juni 1941 in New York die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Am 4. März 2004 ist Paskita Guttmann geborene Konfino im Alter von 86 Jahren im New Yorker Stadtteil Flushing gestorben. Sie wurde auf dem New Yorker Maple Grove Cemetery (Kew Gardens, Queens) beigesetzt. In demselben Grab ruhte bereits ihr 17 Jahre älterer Mann, der bereits im Dezember 1980 in New York gestorben war.

Ihr Name befindet sich auf dem Mahnmal, das am 8. Mai 2014 auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität Wien eröffnet wurde.

 

Familienangehörige in der Shoah

Während die einstige ‚Welthandels‘-Studentin Paskita Konfino Holocaust und Zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten überlebt hat, sind etliche ihrer Verwandten nachweislich der mütterlichen Linie Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung von Jüdinnen und Juden geworden.

Dazu gehörten fast alle Geschwister ihrer Mutter Natalia:

  • Sarina Alkalay, geboren 1882 in Belgrad und in derselben Stadt, die im April 1941 unter dem Kommando des österreichischen Kriegsverbrechers Alexander Löhr schwer zerstört worden war, wohnhaft in der Obilićev venac 10. Sie wurde am 14. Dezember 1941 im Alter von 50 Jahren in dem Belgrader Konzentrationslager Sajmište umgebracht.
    Auch ihr Ehemann, Max Alakalay (geb. 1871 als Sohn von Salomon Mordehaj und der Lenka Alkalay) wurde dort im Dezember 1941 ums Leben gebracht.
  • Ebenfalls am 14. Dezember 1941 wurde in Sajmište im Alter von 48 Jahren die verwitwete Neli Demajo ermordet, die in Belgrad in der Knićaninova 8 gewohnt hatte.
  • Bereits im November 1941 war David Mošić, der in Belgrad in der Gospodar Jevremova 7 gewohnt hatte, in einem Lager getötet worden.

Von Paskitas Onkeln und Tanten mütterlicherseits entging nur Max Moshe Mošič (geb. 22. August 1885 in Belgrad) dem Holocaust. Er vermochte sein Leben hochbetagt im Jahr 1978 in Pardes Hana (Israel) zu beenden. Seine Ehefrau allerdings, die aus Wien stammende Eliza Else Mošič (geb. 17. Juni 1891, Mädchenname Neuwelt), teilte das Schicksal ihrer Schwägerinnen und ihres Schwagers: Auch sie wurde im KZ Sajmište getötet, und zwar 1942. Der Sohn von Max Moshe und Eliza Else Mošič, Aleksandar Avram Fredi Mošić (geb. 21. Mai 1919), überlebte wie sein Vater den Holocaust. Er starb 2015 in Belgrad und wurde auf dem dortigen Jüdischen Friedhof beigesetzt.

 

Autor: Johannes Koll

Quellenhinweise

Geni.com, Eintrag von Emil Eskenazy Lewinger zu Natalia Konfino (geborene Mošič), http://www.geni.com/people/Natalia-Konfino/6000000042462706777 [Stand: 21. Mai 2016, abgerufen 26. Mai 2026].
MyHeritage.at zu Klara Josifov (geb. Konfino), https://myheritage.at [26. Mai 2026].
Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Studierendenkarteikarte.
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Eintrag zu Paskita Konfino, https://gedenkbuch.univie.ac.at/page/1/person/paskita-konfino [20. Februar 2025].
Meldeauskunft des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW – 174396/2013.
Ancestry.com, New York, USA, bundesstaatliche und föderale Einbürgerungsregister, 1794-1943, Antrag von Pasquita Guttmann vom 25. Juni 1941, Deklarationsnummer 492146, http://www.ancestry.com/ [22. Mai 2026].
Ancestry.com: New York, USA, Listen ankommender Passagiere und Besatzungen, 1820-1957, http://www.ancestry.com/ [22. Mai 2026].
Ancestry.com, New York, USA, bundesstaatliche und föderale Einbürgerungsregister, 1794-1943, Antrag von Max Guttmann vom 25. Juni 1941, Deklarationsnummer 492111, http://www.ancestry.com/ [22. Mai 2026].
Ancestry.com: USA, Sozialversicherungsindex, 1936-2007, Eintrag zu Pasquita Guttmann, SV-Nr. 123200878 und ebd., USA, Sterbeindex der Sozialversicherung, 1935-2014, http://www.ancestry.com/ [22. Mai 2026].
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Ancestry.com, USA, Sterbeindex der Sozialversicherung, 1935-2014 zu Max Guttmann, http://www.ancestry.com/ [22. Mai 2026].
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Geni.com: Eintrag von Emil Eskenazy Lewinger zu Maks Alkalay, http://www.geni.com/people/Maks-Alkalay/6000000042463907268?through=6000000042462949204 [Stand: 21. Mai 2016, abgerufen 26. Mai 2026].
The Remembrance Book of Holocaust Victims in Belgrade. From archival materials of the City of Belgrade 1st District People’s Committee – жртвама Холокауста у Београду. Из архивске грађе Народног одбора I рејона града Београда, Belgrad 2014, S. 47 zur Ermordung von Neli Demajo und S. 54 zur Ermordung von David Mošić.
Myheritage.at, Stammbäume zu Eliza Else Mošić, https://myheritage.at [26. Mai 2026] zur Ermordung von Eliza Else Mošič.
Myheritage.at, Stammbäume zu Aleksandar Avram Fredi Mošić, https://myheritage.at [26. Mai 2026].

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