Franz Peter Lampl

  • Geb. am 25.01.1916
  • Geburtsort: Wien
  • Kategorie: Diplomstudiengang
  • Heimatberechtigung: Eisgrub (Lednice ), Tschechoslowakei
  • Staatsbürgerschaft: Tschechoslowakei

Franz Peter war Sohn von Alice und Dr. Jakob Lampl (Fabriksleiter), die 1915 in der Leopoldstädter Synagoge in der Tempelgasse (2. Wiener Gemeindebezirk) geheiratet hatten.

Franz Peter war zwischen Wintersemester 1936/37 und Sommersemester 1938 vier Semester an der Hochschule für Welthandel inskribiert. Obwohl dem jüdischen Studenten offiziell das Sommersemester 1938 angerechnet wurde, war im Februar 1938 die Erste (allgemeine) Prüfung die letzte Prüfung, die er an der Hochschule ablegen konnte. Mit dem 'Anschluss' Österreichs endete sein Studium in Wien. Zur selben Zeit wurden seine Eltern Opfer der 'Arisierung': Der Vater musste seinen Posten als Präsident, seine Mutter die Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der Wiener Nauseawerke AG für Eisen- und Metallindustrie aufgeben.

Mitte Juni 1938 verließ Franz Peter Lampl das elterliche Haus in der Hohen Warte 48 (19. Wiener Gemeindebezirk). Anschließend begab er sich nach Lundenburg/Břeclav - eine Ortschaft in der Tschechoslowakei, die bald darauf auf der Grundlage des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 dem Großdeutschen Reich eingegliedert wurde. Wohin Lampl daraufhin geflüchtet ist, ist nicht bekannt.

Fest steht, dass Franz Peter Lampl Zweiten Weltkrieg und Holocaust überlebt hat. Denn im April 1946 hielt er sich - aus Paris kommend - für eine Woche in Wien auf. In diesem Zeitraum ließ er sich von der 'Welthandel' eine Bescheinigung über die Erste Prüfung ausstellen, die er über acht Jahre vorher abgelegt hatte. Bis zum 30. April 1946 fand er in einer Herberge des Wiener Verkehrs-Vereins in der Kandlgasse 30 (7. Wiener Gemeindebezirk) eine Unterkunft. Mit dem Zeugnis über die Erste Prüfung kehrte er dann nach Paris zurück.

Seine Mutter (geb. 20. Mai 1894 als Alice Boschan) hingegen hat den Krieg nicht überlebt. Sie wurde am 5. Dezember 1941 von Brünn/Brno (Protektorat Böhmen und Mähren) aus ins Ghetto Theresienstadt/Terezín deportiert. Von hier aus wurde sie am 15. Januar 1942 weiter nach Riga (Lettland) verbracht, wo sie ums Leben kam. Sie war somit ein Opfer des Holocaust.

 

Autor: Johannes Koll

Quellenhinweise

Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Karteikarte und Alte Prüfungsliste.
GenTeam. Die genealogische Datenbank, http://www.genteam.at [31. Mai 2014].
Compass. Finanzielles Jahrbuch 1938. Personenverzeichnis, 71. Jg., Wien 1938, S. 704 f.
Meldeauskunft des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW – 669162/2013.
The Central Database of Shoah Victims' Names zu Alice Lamplova, http://db.yadvashem.org/names/search.html?language=en [30. August 2013].

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