Rudolf Camperlik (später Rudolf Camp)
- Geb. am: 11.01.1906
- Geburtsort: Wien
- Kategorie: Doktorratsstudiengang
- Heimatberechtigung: Wien (Wien),
Rudolf Camperlik war Sohn von Berthold (Gemischtwarenhändler) und Olga Camperlik (geb. 6. April 1877 in Doubkov, Mädchenname Goldreikh).
Nach dem Besuch der Bundesrealschule im 11. Wiener Gemeindebezirk (Gottschalkgasse 21, heute Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium) war Rudolf Camperlik im Wintersemester 1924/25 und Sommersemester 1925, im Wintersemester 1931/32 sowie im Wintersemester 1937/38 und Sommersemester 1938 an der Hochschule für Welthandel für den Diplomstudiengang inskribiert. Zwischendurch hat er an der Handelshochschule Leipzig studiert. Sein Diplomstudium hat er in Wien 1933 beendet, das Zeugnis erhielt er allerdings erst Ende Juni 1937. Während seines Studiums bot er über Zeitungsanzeigen Nachhilfeunterricht „in sämtlichen Realschulfächern“ an.
An einer geplanten Promotion wurde der jüdische Student durch den 'Anschluss' Österreichs gehindert, am 22. August 1938 wurde Camperlik von der Hochschule für Welthandel abgemeldet. Die Wohnung in der Kleistgasse 19/10 (3. Wiener Gemeindebezirk), in der er seit 1928 gemeldet war, hat er am 30. Januar 1938 verlassen und sich nach Brüssel begeben. Vermutlich ist er von hier aus nach Paris gereist, wo er zeitweilig in der Rue Chardon Lagache Nr. 58 gewohnt hat. Schließlich gelang es ihm, in die Vereinigten Staaten zu emigrieren. Das Ende des Zweiten Weltkriegs hat er in New York erlebt, wo er unter der Adresse 158 West 78th Street registriert war. Am 27. Juni 1945 wurde ihm im New Yorker Southern District die US-amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen. Im amerikanischen Exil änderte er seinen Nachnamen in Camp.
Rudolfs Mutter wurde am 2. Juli 1942 von der Wiener Khunngasse 14 (3. Bezirk) über Prag ins Konzentrationslager Theresienstadt/Terezín verbracht. Von hier aus wurde sie am 15. Oktober 1942 ins Vernichtungslager Treblinka weiter deportiert. Hier dürfte sie ermordet worden sein, das Ende des Zweiten Weltkriegs hat sie jedenfalls nicht erlebt.
Autor: Johannes Koll
Quellenhinweise
Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Studierendenkarteikarte.
Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ, 59. Jg., Nr. 16 vom 16. Januar 1925, S. 16 und Nr. 25 vom 25. Januar 1925, S. 37.
Meldeauskunft des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW – 96200-2013.
Miroslav Kárný: Terezénská pamětní kniha. Zidovské oběti nacistických deportací z čech a moravy 1941-1945, Prag 1995, Bd. 2, S. 691 und Yad Vashem: The Central Database of Shoah Victims' Names, http://db.yadvashem.org/names/search.html?language=en [30. August 2013].
Aid for Communications between Displaced Jews resident in the Czechoslovak Republic in 1938 in 1938 and Persons presently resident in Great Britain and the British Empire, Spain, Sweden, Switzerland, the United States of America and various countries in Central America and in Palestine, o.D. (vermutlich 1946), S. 20, hier nach Ancestry.com: Registrierung von NS-Verfolgten nach der Befreiung, 1945–1950 unter Bezugnahme auf Arolsen Archives, Registration of Liberated Former Persecutees at Various Locations (F18 lists), Bad Arolsen, Germany. 3.1.1.3, http://www.ancestry.com [28. Mai 2026].
Ancestry.com: Sammlung New York, USA, Index zu in New York City eingereichte Einbürgerungsanträge, 1792-1989, http://www.ancestry.com [28. Mai 2026] nach: The National Archives at New York City: Soundex Index to Petitions for Naturalization filed in Federal, State, and Local Courts located in New York City, 1792-1989, New York, NY, USA, Nr. 6.570.455.
Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (http://www.doew.at ), Eintrag zu Olga Camperlik [28. Mai 2026].